Wir ĂŒber uns

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AuszĂŒge aus der DorfprĂ€sentation:

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Zur Geschichte des SchĂŒtzenverein Herlinghausen gegr. 1665 e.V.

In Herlinghausen wurde im Jahre 1665 die SchĂŒtzengesellschaft wiederbegrĂŒndet, als nach dem 30jĂ€hrigen Krieg allmĂ€hlich geordnete VerhĂ€ltnisse einkehrten.

Was weis man ĂŒberhaupt von der Entstehung der ersten SchĂŒtzengesellschaften?
Sie bildeten sich im 13. Jahrhundert. BĂŒrgerwehren der StĂ€dte waren ihre VorlĂ€ufer. Man traf sich regelmĂ€ĂŸig zu Übungs- und Preisschießen. Bald griff auch die lĂ€ndliche Bevölkerung diese Übungen und Preisschießen auf, zumal fröhliche Feiern dazu gehörten. Die dörflichen Feste waren stets Höhepunkte im arbeitsreichen Leben der Landbevölkerung. Zum Teil wurde hierbei in anderen Vereinen ganz gewaltig ĂŒber die StrĂ€nge geschlagen.
Doch die Satzung der SchĂŒtzengesellschaft Herlinghausen von 1665 zeichnet hier ein anderes Bild. Hier war man stark an christliche Tradition gebunden, hier feierte man, aber in Maßen.

Die erste im Original vorliegende SchĂŒtzensatzung des Jahres 1665 wurde, so wie die Gemeinde Herlinghausen sie den Herren von der Malsburg als zustĂ€ndige Gerichtsherren vorgelegt hatte, von deren Amtmann RĂŒter, der in Breuna residierte, im Auftrage des „gnĂ€digsten FĂŒrsten und Landesherren Wilhelm, Landgraf zu Hessen“ bestĂ€tigt, genehmigt und gesiegelt. Aus dieser Satzung geht eindeutig hervor, dass die Gesellschaft schon vor den “leidigen“ Kriegszeiten (30jĂ€hr. Krieg) bestanden hatte. Im Vorwort wird auf das SchĂŒtzenwesen verwiesen, das man erneuern will und in das sich jeder Einwohner mit „einhalbviertel Gerste“ und andere in dieser Gesellschaft mit anderthalb spanischem Taler einkaufen können „vermöge altem Herkommen“.

Zur WiederbegrĂŒndung 1665 hatte der Einwohner Anton Hossen aus eigener Tasche einen untadeligen Hammel als Preis fĂŒr den besten SchĂŒtzen gestiftet. Das war doch ein Anreiz, Mitglied zu werden. Das erste SchĂŒtzenfest nach der WiederbegrĂŒndung der Gesellschaft wurde gemĂ€ĂŸ der Satzung damals in den letzten drei Tagen der Pfingstwoche gefeiert.

Zu dieser Zeit hatte der Bischof von Paderborn in seinem Territorium die staatliche Hoheitsgewalt ausgeĂŒbt. Die Jurisdiktion fĂŒr Herlinghausen hatte er nicht. Die lag in den HĂ€nden des Landgrafen von Hessen. Ursache dieser zwiespĂ€ltigen Situation war eine Auseinandersetzung, die im 15. Jahrhundert von Rabe von Calenberg verursacht, zu einer langen Fehde zwischen Hessen und Paderborn gefĂŒhrt hatte. In dem Friedensvertrag, zu dem es erst ĂŒber hundert Jahre spĂ€ter kam, hatten sich die beiden Landesherren auf solch eine Gewaltenteilung geeinigt.

AuffĂ€llig ist, dass Paderborn die Genehmigung der HerlinghĂ€user SchĂŒtzengesellschaft – also eine hoheitsrechtliche Angelegenheit- durch die Vertreter des hessischen Landesherrn, die Malsburger, ohne Protest hinnahm. Im Vorwort werden die Malsburger als die „angeborene orderliche Obrigkeit“ genannt.

Im nĂ€chsten Absatz wird dann auf das „FĂŒrstentum“ (Paderborn) hingewiesen, in dessen „StĂ€dten und Dörfern das SchĂŒtzenwesen und dessen ehrliebende Gesellschaften nunmehr solche gute Ordnung wieder erneuert“ werden soll, „welche in langen Jahren und leidigen Kriegszeiten nicht exercieret worden, bis sie nunmehr in vollem Schwange goutiert und erĂŒbet werden“.

Von besonderer Bedeutung ist auch, dass durchweg in protestantischen Gemeinden, die zwar vor der Reformation SchĂŒtzengesellschaften besaßen, nach dem 30jĂ€hrigen Krieg keine NeugrĂŒndungen erfolgten. Herlinghausen bildet da eine Ausnahme.

Die Paderborner Obrigkeit zog SchĂŒtzen auch gern zu Aufgaben polizeilicher Art und als eine Art Landmiliz heran. Diese mussten dann zwei- oder dreimal im Jahr LandwehrĂŒbungen ableisten. Da das schon sehr erheblich dem MilitĂ€r nahe kam, waren die betroffenen sicher nicht erfreut, mitzutun. Der Soldat war schon immer des Bauern Feind. So ist es möglich, dass die unter hessischer Jurisdiktion stehende HerlinghĂ€user SchĂŒtzengesellschaft nicht betroffen war und sich unbefangen ihrer ureigensten Aufgabe, den Gemeinsinn zu fördern und den Freuden des SchĂŒtzenfestes nachzugehen, widmen konnte.

Die historische Satzung macht deutlich, dass man an die frĂŒher geĂŒbte religiöse Bindung anknĂŒpft. Man stellt Verhaltensregeln auf, die es nur geachteten MĂ€nnern – seien sie arm oder reich – gestatten, Mitglied zu werden.


Historische Eigenheit der Herlinghauser Gesellschaft

Im Gegensatz zu vielen Gesellschaften des Paderborner Landes wird in Herlinghausen nicht um die KönigswĂŒrde geschossen. Man kĂ€mpft hier um einen vom Verein ausgesetzten Preis. So gerĂ€t man in spĂ€teren Jahren nicht in die KalamitĂ€t vieler Vereine des Hochstifts, die keinen König finden können, weil diese kostspielige WĂŒrde niemand finanzieren will. In Herlinghausen wird wirklich nur der beste SchĂŒtze ermittelt. Da kann jeder zeigen was er kann. Heute ist in vielen Vereinen von der WĂŒrde und Auszeichnung des besten SchĂŒtzen nicht viel ĂŒbrig geblieben. Vielmehr soll sich dieser spendabel erwisen und „Tracktieren“. So hat er eine BĂŒrde, die manchem den vollen Einsatz seines Könnens verbietet. Dieses Problem hat die SchĂŒtzengesellschaft Herlinghausen nie gehabt.


Kein Gottesgnadentum in Herlinghausen


In den ca. 4000 Seiten der historischen SchĂŒtzenakten, die fast lĂŒckenlos ab 1665 vorliegen findet sich keinmal die ErwĂ€hnung eines Königs oder SchĂŒtzenkönigs.

Auf dem Schießstand sorgt der Pritschenmeister fĂŒr Ordnung. Kinder und Unbefugte, die sich dort herumtreiben, werden mit der „Pritschen“ (scherzhaftes ZĂŒchtigungsgerĂ€t, das aus langen gebĂŒndelten dĂŒnnen Brettchen bestand, die an einem Ende zusammengebunden waren) vertrieben. werden. Üblich war wohl auch, dass manch ein SchĂŒtze Zielwasser nahm. Die Satzung sagt:“ Es soll keiner dem anderen ĂŒber seinen Mut zu trinken nicht zwingen bei Strafe mit 1 albus.“

FĂŒr den fröhlichen Umtrunk gelten eine FĂŒlle von Regeln, die alle die MĂ€ĂŸigung zum Ziel haben. „Wer z.B. die Kanne zu schnell leert, wird bestraft.“ Oder im Anderen Fall: „ Wenn jemand (voll des guten Stoffes) mutwilligerweise die TrinkgefĂ€ĂŸe umstĂ¶ĂŸt, es sei denn, dass erÂŽs beweisen kann, dass erÂŽs nicht hat gern getan, derselbe soll nach Erkenntnis der SchĂŒtzenmeister gestraft werden
 jedes Mal mit 4 albus.“

Preußen und seine SchĂŒtzen


Nach der Franzosenzeit, wĂ€hrend der alle SchĂŒtzenvereine entwaffnet oder zum Teil auch aufgelöst waren (König Jerome regierte als König von Westfalen 1807 – 1813 in Kassel) versuchten die vereine des Warburger Landes wieder nach alter Tradition ihre SchĂŒtzenfest feiern zu dĂŒrfen. Auch Herlinghausen ersuchte jetzt bei der preußischen Regierung um Zulassung des Vereins nach. Die verlangte jedoch zunĂ€chst eine KlĂ€rung, welche Ziele man im Verein verfolgt.

Im Staatsarchiv Detmold findet sich ein Bericht des Gemeinderates Herlinghausen vom 4.11.1819 ĂŒber den damaligen Verein, in dem die Aufgaben und Ziele der SchĂŒtzengesellschaft beschrieben werden:
„Wenn jemand stirbt von der Gesellschaft dient sie zum BegrĂ€bnis der Leiche;

 wo Mann und Weib, wenn es gefÀllt, jeder eine Menge Gerste ausgibt, und das Bier hiervon zu gewisser Zeit gemeinschaftlich verzehren;

 und haben weder BĂŒchsen noch Flinten.
Der Verein hat auch kein Einkommen vom Staat und der Gemeinde. Man wĂŒnscht, dass der Verein fortbestehe.“

Änderungen und ErgĂ€nzungen der Historischen Satzung


1836 erweitert man erstmals die alte SchĂŒtzensatzung. Es wird im Artikel 1 nochmals darauf hingewiesen, dass das Einkaufsgeld fĂŒr alle gleich sein soll. Den SchĂŒtzendechen wird untersagt, Nachlass auf das Einkaufsgeld zu gewĂ€hren. Tun sie das trotzdem, sollen sie die Differenz aus eigener Tasche zahlen.

FĂŒr die Bezahlung der Musik am SchĂŒtzentage soll folgende Regelung gelten: Unverheiratete SchĂŒtzenbrĂŒder zahlen, wie bisher ĂŒblich, acht alb. Die verheirateten SchĂŒtzenbrĂŒder zahlen zu der Musik nach der zuvor gestellten Rechnung ohne Ausnahme das „anteilige Quantum“.“ Sie teilen sich also den Rest.

1840 erfolgt dann eine weitere ErgĂ€nzung, die von jedem SchĂŒtzenbruder verlangt, dass er zum „ein- und ausmarschieren 
 mit einem tauglichen Gewehre erscheint“. Zu dieser Zeit besitzt der Verein folgende bewegliche Habe: Eine Fahne, eine Trommel, zwei Bierkannen und vier GlĂ€ser, eine Kiste worin die Schriften liegen, eine Lade worin die Gewinnste (Gewinne) liegen und eine alte Scheibe.

Im Jahre 1878 gibt sich die SchĂŒtzengesellschaft eine der Zeit angemessene neue dritte Satzung. Ursache war wohl die GrĂŒndung des WestfĂ€lischen SchĂŒtzenbundes im Jahr 1861. Im Grunde sind hier die Regeln der alten Satzung erweitert worden. Man weist darauf hin, dass nur christliche MĂ€nner, Frauen und JĂŒnglinge aufgenommen werden, dass diese unbescholten und von keinem Gericht bestraft sein dĂŒrfen. Der Zweck dieser Gesellschaft sollte sein, durch ein gemeinschaftliches Fest das Bewusstsein der christlichen EintrĂ€chtigkeit zu heben und zu fördern.

Wenn ein SchĂŒtze stirbt, oder ein Familienangehöriger zu Grabe getragen wird, ist jedes Mitglied verpflichtet, an der Beisetzung teilzunehmen. Diese gute Sitte hat bei allen Vereinen eine große Tradition und reicht zurĂŒck in die frĂŒhen Zeiten, als man noch keine Schießeisen kannte und hat sich bis heute erhalten.

Der SchĂŒtzenrat, als oberstes Gremium der Gesellschaft, wird seit alters her von allen Mitgliedern des Vereins demokratisch gewĂ€hlt. Die SchĂŒtzenmeister haben besondere Machtbefugnisse nur fĂŒr das SchĂŒtzenfest. Sie können fast autoritĂ€r ĂŒber den Verlauf des Festes bestimmen, Anordnungen treffen, Offiziere ernennen sowie ĂŒber die GĂŒltigkeit verhĂ€ngter Strafen entscheiden.

Den Prischenmeister, wie er noch in der ersten Satzung von 1665 vorgesehen war hat man wohl spĂ€ter durch einen weiteren SchĂŒtzenmeister, der fĂŒr die Bestrafungen zustĂ€ndig war, ersetzt. Denn Aufgabe des Pritschenmeisters war es, Strafen zu verhĂ€ngen und diesen mit der Pritsche auch Nachdruck zu verhelfen. Denn er war zustĂ€ndig fĂŒr die Aufrechterhaltung der Ordnung beim Scheibenschießen und bei allen FestivitĂ€ten des SchĂŒtzenfestes.

Die Schmeckherren waren fĂŒr die QualitĂ€t des zunĂ€chst selbst gebrauten Bieres zustĂ€ndig. Als dann spĂ€ter die Brauerei Kohlschein die GetrĂ€nke lieferte, wurden die Schmeckherren ĂŒberflĂŒssig.

Die Finanzen der SchĂŒtzengesellschaft


Finanziert wurde das jĂ€hrliche Fest durch BeitrĂ€ge, die jedes Mitglied einmal jĂ€hrlich zahlen musste. DarĂŒber hinaus wurde jedem neu aufgenommenen SchĂŒtzen ein einmaliger Einstand abverlangt. Er „kaufte sich in die Gesellschaft ein.“ Die Höhe der ersten Einkaufszahlung war fĂŒr die Söhne von SchĂŒtzen geringer. Andere hatten keine Lobby und zahlten mehr.

ZusĂ€tzlich wurde die Pacht des SchĂŒtzenlandes, das der Verein seit „urdenklichen Zeiten besaß“, fest eingeplant. Im 19. Jahrhundert wurde das Land durchweg auf 6 Jahre verpachtet. Der PĂ€chter musste zusĂ€tzlich einen BĂŒrgen stellen, der bei Zahlungsschwierigkeiten des PĂ€chters voll in Haftung genommen werden konnte. Die Pacht musste am vorgeschriebenen Tag (SchĂŒtzenfest – Pfingsten) entrichtet werden. Konnte der PĂ€chter nicht zahlen oder die Gerste zu Pfingsten nicht zur VerfĂŒgung stellen, so durfte die Gesellschaft sich an den FrĂŒchten, die auf dem Feld wuchsen schadlos halten. Hatte man Pachtzins oder Gerste zu Pfingsten nicht verfĂŒgbar, lieh man beim Dechanten oder sonst einem Mitglied der Gesellschaft die erforderliche Menge gegen einen Schuldschein in der Hoffnung, zur Erntezeit das Geliehene zurĂŒckgeben zu können. Durchweg geschah das auch.

Die BuchfĂŒhrung in dieser Hinsicht ist sehr genau und korrekt nachgewiesen. Es sind zahlreiche Schuldscheine erhalten geblieben die dies beurkunden.

Ordnung und Sitte und Strafen

Die Schießregeln aus der damaligen Zeit sind stark auf Sicherheit der Anwesenden gerichtet. Ein Auditor hatte darauf zu achten, dass alle Bestimmungen eingehalten werden. Das ist auch notwendig, denn im Hochstift hatte es bei den Schießen gelegentlich Rohrkrepierer durch die Überladung mit Schwarzpulver gegeben. Viele Personen wurden schwer verletzt. Der Auditor ist der „Oberschiedsrichter“, wenn jemand glaubt, besser geschossen zu haben, als der „ScheibenwĂ€chter“ angeben. Sein Urteil kann nicht angefochten werden.

Ganz gesittet soll es zugehen, wenn die FestivitĂ€t nach dem Schießen beginnt. Die Satzung bestimmt: “Jeder SchĂŒtze darf nur mit SchĂŒtzenfrauen tanzen. Wer mit einem MĂ€dchen tanzt, verfĂ€llt jedes Mal einer Strafe. Ausgenommen sind TĂ€nze mit Töchtern der SchĂŒtzenmeister und mit fremden Damen. Im letzten Fall ist allerdings die Genehmigung der SchĂŒtzenmeister zum Tanzen nötig“. Dieser Passus in der Satzung war fĂŒr den Verein recht gewinntrĂ€chtig, wenn man in das Strafregister sieht:

Da hat Heinrich Reußner mit einem MĂ€dchen getanzt und Heinrich Feuring Hat Johannes Dey seine Frau fĂŒr die Wand geschleudert, aber nicht mit Vorsatz. Und dies bringt dem Verein Gerste.

„Selbstredend darf Keiner in geselligen gemĂŒthlichen Umgange wĂ€hrend des Festes die Schranke des Anstandes ĂŒberschreiten und die Festlichkeit stören durch Betrinken. Jedes GezĂ€nk ist zu verhĂŒten und anstĂ¶ĂŸige Ärgernisse durch erregende Reden zu vermeiden. Alles diese sowie muthwillige Handlungen werden streng gerĂŒgt und gestraft“, legt die Satzung weiter fest.

Augenzwinkernd seinen hier einige Strafen fĂŒr MissetĂ€ter erwĂ€hnt, die sich nicht an die SchĂŒtzenordnung hielten:

? Jost Heinrich Flörken hat die Wache bey der Fahnen gehabt und ist ihm entwendet worden dieselbe! (das gab eine hohe Strafe)
? Heinrich Sohm hat fĂŒr Heinrich Dey unanstĂ€ndige Worte gesprochen und wollte sich nicht versöhnen.
? Leutnant Erdmann hat die Bierkanne unvorsichtigerweise umgeqworfen
? FĂ€hnrich Nolte hat mit unverheyratheten Frauen getanzt, die noch nicht zur SchĂŒtzenkompanie gehört haben.
? Leismann Georg hat beim marschieren Zigarre geraucht, aber auf Befehl des Feldwebels aufgehört.
? Thomas Thiele, „weil er mit dem Auditor wĂ€hrend des Scheibenschießen sich gezankt und als Urheber des Wortwechsels erkannt ist“.

Die Frauenkompanie

Nach der Satzung von 1878 sind erstmals Frauen als Mitglieder der SchĂŒtzengesellschaft zugelassen.
Aber nicht jede Frau konnte dem Verein angehören. (Man nahm ja auch nicht jeden Mann) Nur diejenige, die die Ehre hatte, mit einem SchĂŒtzen verheiratet zu sein, fand Aufnahme in diesen erlauchten Kreis.

Im Laufe der Zeit huldigte man besonders den neu vermĂ€hlten Damen. Alle Herren der Gesellschaft marschierten zu ihrem Haus, um sie zum Fest abzuholen und in die Frauenkompanie einzureihen. Mag es in dieser Zeit schon in vielen Orten Königinnen gegeben haben, die SchĂŒtzengesellschaft Herlinghausen fand ihre Damen gleichermaßen wĂŒrdig. So wie man in gewohnter Tradition von einem König nichts hielt, strebten die Damen solch zweifelhafte „WĂŒrde“ niemals an.

Die Einmaligkeit einer Einbindung von SchĂŒtzendamen in die Festwoche der Gesellschaft verdient besonders hervorgehoben zu werden, zumal dieser gute Brauch bis heute gepflegt wird. Aufgrund einer SatzungsĂ€nderung aus dem Jahr 2000 können nun alle Frauen, ob mit einem SchĂŒtzen verheiratet, verlobt, ledig oder allein stehend, Mitglied im SchĂŒtzenverein werden.

Die Frauenkompanie ist heute zu einem nicht wegzudenkenden Faktor des SchĂŒtzenvereins Herlinghausen geworden.

Die SchĂŒtzengesellschaft im 20. Jahrhundert

Um die Jahrhundertwende wird das SchĂŒtzenfest regelmĂ€ĂŸig gefeiert. Als dann der erste Weltkrieg ausbricht, findet man keine Eintragungen mehr im Protokollbuch. Erst 1921 feiert man wieder ein SchĂŒtzenfest. Es folgen weitere Unterbrechungen. 1925 feierte man dann das 260jĂ€hrige Bestehen der SchĂŒtzengesellschaft. Bis in die AnfĂ€nge der 30er Jahre waren die SchĂŒtzenfeste durch die Weltwirtschaftkrise eher dĂŒrftig. Durch den Einfluss des Nationalsozialismus bedingt, erfolgte die Mitgliedschaft im deutschen SchĂŒtzenbund und bald auch eine Art Schießausbildung. Man bildete einen Schießwart aus. Aus den einstigen SchĂŒtzendechen oder SchĂŒtzenmeistern wurden VereinsfĂŒhrer gemacht. Man legte sich eine Reichfahne zu. 1935 wurde von der Tradition, das SchĂŒtzenfest in der Woche nach Pfingsten zu feiern, abgewichen. Nunmehr wurde jĂ€hrlich durch einen Beschluß der Gesellschaft ĂŒber den Termin des Festes entschieden. In diesem Jahr wird auch ein Schießstand gebaut. DafĂŒr werden 300 RM bei der Kreissparkasse aufgenommen.

Als dann der zweite Weltkrieg ausbrach, ruhte alle AktivitÀt.

Nach dem Einmarsch der Amerikaner und dann unter Britischer Verwaltung löste die MilitĂ€rregierung 1945 den Verein auf. Aber schon 1950 konnte die WiederbegrĂŒndung vorgenommen werden. 48 Mitglieder werden aufgenommen. 1952 hat der Verein bereits 62 Mitglieder. Dies ist sicher auch ein Hinweis dafĂŒr, dass nach den schlimmen Kriegsjahren die SchĂŒtzengesellschaft in erster Linie als einzig mögliche Einrichtung gesehen wurde, eine FestivitĂ€t nach alter Tradition auszurichten, die allen BĂŒrgern wieder Freude und Unbeschwertheit vermitteln sollte.

1951 stellte sich der Verein in Eigenarbeit eine neue Fahne her. 1953 erhÀlt auch die Frauenkompanie eine eigene Fahne. 24 Damen gehören zu dieser zeit der Frauenkompanie an.

1956 entsteht eine, der Zeit angepasste, neue SchĂŒtzensatzung in der jedoch die wesentlichen Inhalte der ursprĂŒnglichen Fassung aus dem Jahr 1665 enthalten sind.

1965 feiert die SchĂŒtzengesellschaft in besonders „wĂŒrdiger Form“ das 300jĂ€hrige Bestehen. Das ganze Dorf war beteiligt, Straßen und HĂ€user geschmĂŒckt. Zahlreiche GĂ€ste aus den umliegenden Gemeinden ĂŒberbrachten GlĂŒckwĂŒnsche und nahmen am Fest teil.

1976 wurde das ehemalige Schulzentrum von Herlinghausen unter Regie der SchĂŒtzengesellschaft zu einer Gemeindehalle umgebaut. Sie soll kĂŒnftig der Ort sein an dem auch das SchĂŒtzenfest gefeiert wird. 1984 wird im Keller der Gemeindehalle ein Schießstand gebaut. 1985 vergibt der Verein, statt des ĂŒblichen Preises, erstmals eine SchĂŒtzenkette an den besten SchĂŒtzen. Erster TrĂ€ger wird SchĂŒtzenbruder Frank Scharm.


Der Verein in der Gegenwart

1986 feiert der StadtschĂŒtzenverbund Warburg unter der Regentschaft von StadtschĂŒtzenkönig Frank Scharm und großer Beteiligung das StadtschĂŒtzenfest in Herlinghausen.
Ebenfalls in diesem Jahr fertigen die SchĂŒtzenfrauen Irmgard PlĂŒcker und Hanni Cramme fĂŒr den Verein, nach einem Entwurf von Realschuldirektor Adalbert Kleinert, eine neue Fahne.

Im gleichen Jahr wird unter der Regie des SchĂŒtzenvereins die RautentalhĂŒtte errichtet.

1989 entschließt man sich, den Verein in das Vereinsregister aufnehmen zu lassen. Die Satzung wird hierfĂŒr entsprechend angepasst.

1990 begeht der Verein sein 325jĂ€hriges VereinsjubilĂ€um. Vorsitzender Hans Ewald Cramme konnte hierzu zahlreiche Vereine des Warburger StadtschĂŒtzenverbandes als GĂ€ste in Herlinghausen begrĂŒĂŸen.

1996 konnte Thomas Apel die StadtschĂŒtzenwĂŒrde erringen. Im Folgejahr 1997 durfte Herlinghausen zum 2. Mal das StadtschĂŒtzenfest ausrichten. Vorsitzender Hans Ewald Cramme konnte damals neben BĂŒrgermeister Paul Mohr zahlreiche GĂ€ste aus Politik und Wirtschaft, sowie alle SchĂŒtzenvereine aus dem Stadtverband Warburg in Herlinghausen begrĂŒĂŸen.

Im Jahr 2000 wird die Satzung erneut der Zeit angepasst. Wesentlicher Punkt der Änderung ist, dass nun alle Frauen und MĂ€nner die Vollmitgliedschaft erwerben können.

Im Jahr 2006 schafft sich der Verein in den KellerĂ€umen der Herlingihalle ein neues Schießheim mit Schießstand. Erstmals findet ein Kompanietag der MĂ€nnerkompanie sowie der Frauenkompanie statt, der nun ebenfalls alljĂ€hrlich durchgefĂŒhrt wird.